Sie brauchen englische Texte? Warum schreiben Sie sie dann auf Deutsch?
Auf Englisch texten und konzipieren
Es kommt oft vor, dass ein deutsches Unternehmen einen Text auf Englisch braucht – z.B. für die Website, für Messeauftritte im Ausland oder als Kommunikationsmittel für internationale Kunden. Selten ist der Weg über den deutschen Text zum englischen der richtige.
Bei Websites werden häufig die deutschen Texte übersetzt und damit eine englischsprachige Version der Site geschaffen. Da Webtexte vor allem informieren und das auf klare, eindeutige und knappe Weise, funktioniert die Internationalisierung im Normalfall ganz gut. Was allerdings viele Unternehmen bzw. Agenturen bei der Website-Übersetzung vollkommen unter den Tisch fallen lassen, sind die Metatags – auch sie sollten übersetzt werden, denn dann wird die Site im Idealfall auch mit englischen Suchbegriffen gefunden. Diese, also die Keywords, sollte man für die englische Version nach Möglichkeit extra definieren bzw. mit den entsprechenden Tools auswerten und nicht einfach nur übersetzen. Denn der aus dem Deutschen übersetzte Begriff ist nicht unbedingt der, nach dem ein Englisch-Muttersprachler googeln würde.
Bei Anzeigen, Flyern und anderen werblichen Texten wird leider oft so vorgegangen: Die Agentur denkt sich gemeinsam mit dem Kunden ein Textkonzept aus – auf Deutsch natürlich, weil man das zumeist besser beherrscht. Auf Grundlage dieses Konzepts entwirft einer der Agenturtexter (oder jemand im Unternehmen) einen deutschen Text. Im Mittelpunkt des Konzepts steht oft eine sprachliche Idee: eine Redewendung, eine immer wieder auftauchende grammatikalische Konstruktion, ein Wortspiel. Wenn der Text fertig ist, wird er an die englische Texterin weitergegeben, die nun einen englischen Text daraus machen soll.
Diese Vorgehensweise ist aus mehreren Gründen komplett sinnlos:
1. Die schönen Wortspiele, Wendungen und Konstruktionen des deutschen Texts wirken in 90% der Fälle nicht im Englischen. Klar, man könnte ungefähre Entsprechungen auf Englisch suchen, aber wenn der deutsche Text gut war, dann zeichnet er mit den Wortspielen (& Co.) Bilder, die aufeinander abgestimmt sind. Spätestens hier fängt es bei der englische Fassung erheblich an zu haken.
2. Englisch ist hochgradig idiomatisch. Gerade US-Englisch bietet je nach Zielgruppe einen enormen Schatz an (pop)kulturellen Anspielungen, Zitaten, etc., die die Werbesprache im besten Sinne prägen und die für einprägsame und witzige Texte sorgen. Deutsche Texter kennen diesen Schatz meist nicht, und wenn sie ihn kennen, haben sie keine Möglichkeit, ihn in einen deutschen Text einfließen zu lassen – weil die beiden Sprachen einfach unterschiedlich funktionieren.
3. Der englische Texter muss die Anzeige/Broschüre/den Flyer/wasauchimmer also letztlich neu texten – auf Englisch. Bestenfalls eignet sich das für einen deutschen Text entwickelte Konzept auch für einen englischen. Meistens allerdings nicht, und fast immer gäbe es ein Konzept, das naheliegender und passender gewesen wäre. Die ganze Arbeit, die sich der deutsche Texter mit Text und Konzept gemacht hat, war also überflüssig.
Wer also einen englischen Text braucht, sollte den auch auf Englisch texten und konzipieren lassen. Von Anfang an.
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