Geheimnisvolle Pressemitteilungen

Oder: Wie man Produkte optimal vor der Öffentlichkeit versteckt

In den letzten Tagen war ich damit befasst, Pressemitteilungen verschiedenster namhafter Bad- und Sanitärhersteller in lesbares Handwerker- und Architektendeutsch umzuschreiben – für das Messemagazin der weltgrößten Messe dieser Branche. Ich schrieb über die wunderschönsten Wannen, Duschen, Becken und Armaturen (Wasserhähne sind zwar gemeint, ist aber wohl zu profan;). Also eigentlich ein alltagstaugliches, trendiges und zugleich recht unterhaltsames Thema.

Es ist schier unglaublich, wie viele Pressemitteilungen dennoch die allergrundlegendsten Informationen nebulös verschwurbeln oder sogar – - weglassen! Eine Firma braucht sich nicht zu wundern, wenn kein seriöser Journalist eine “Presseinformation” aufgreift (oder sollte man sie besser Presse-Desinformation nennen?), die vor Superlativen und Selbstbeweihräucherung nur so strotzt, aber die simpelsten Fakten verschweigt. Dass die nagelneue Wanne aus schwarzem (!) Material besteht, wurde zum Glück durch das nachträglich geschickte Foto klar. In der Pressemitteilung selbst stand davon kein Wort. Klassisches Eigentor.

Vielleicht WOLLEN die Firmen gar nicht, dass jemand erfährt, WAS sie da genau herstellen? (Witz)

Passend dazu der aktuelle Schwerpunkt von brand eins 2/2009 – PROPAGANDA! Das kongeniale Editorial von Wolf Lotter ist komplett online nachzulesen und titelt: “Public Relations will so gern objektiv erscheinen. Als ob es eine Schande wäre, Interessen zu offenbaren.”

Sein Fazit: Klartext wird gebraucht!
Sag ich doch.

Kommentare

2 Kommentare zu “Geheimnisvolle Pressemitteilungen”

  1. Elke am 31.01 09 15:31

    Vielleicht liegt das Problem nicht so sehr darin, dass die Firmen möglichst objektiv erscheinen wollen, sondern darin, dass sie ihre Pressemitteilungen nicht von Profis schreiben lassen, sondern, um zu sparen, von einer Marketingassistentin oder einem Mitarbeiter/einer Mitarbeiterin der Werbeabteilung, der/die die Unterscheidung zwischen einem Werbe- und einem PR-Text nie gelernt hat. ;-)

  2. Ina am 31.01 09 20:23

    Also diese Pressemitteilung, die ich meinte, stammt von einem der nobelsten Marktführer der Branche mit eigener PR-Abteilung. Ich denke nicht, dass dort am Text gespart wird. Und es war keine Ausnahme – das hatte durchaus System. Die PR-Leute sind vermutlich der Meinung, dass Fakten langweilen und nicht als Verkaufsargumente taugen.

    Mag sein, dass das bei einem Luxusprodukt stimmt, weil es mit einer emotionalen Verkaufsentscheidung verbunden ist. Aber bei einem Text, der sich an das Fachpublikum richtet (Architekten, Handwerker) und der mit journalistischem Anspruch geschrieben werden soll, ist eine solche PM eben einfach nur Mist.

    Yep – der Unterschied zwischen PR und Werbung …

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