Wie baut man eigentlich einen guten Artikel auf?
Diese Frage hörte ich in letzter Zeit häufiger. Als Profi sollte man jetzt zackig drei, vier Regeln aus dem Hut zaubern, oder? Das würde Eindruck machen!
Doch die ehrliche Antwort lautet: „Es kommt drauf an“. Und zwar auf das Thema. Die Welt ist groß und bunt, entsprechend unterschiedlich sind die Themen, die in Artikeln verarbeitet werden. Wäre es nicht sterbenslangweilig, sie alle in die gleiche Form zu gießen (drei, vier Regeln, zack)? Ob ich über einen Menschen schreibe, der gerade einen Preis gewonnen hat, oder ob ich zusammenfassen möchte, was auf der letzten Fachtagung von Wirtschaftsingenieuren diskutiert wurde, ist ein himmelweiter Unterschied. Wer wollte eine Regel dafür aufstellen?
Gut, für nachrichtliche Texte gibt es ein Schema: Man fängt mit den Antworten auf die W-Fragen an – Wer hat Was Wann Wo gemacht, Warum, Wieso, Wie oft. Dann kommen weitere Einzelheiten. Zack, fertig. Alle anderen Texte, die über die bloße Berichterstattung hinaus gehen, lässt allerdings dieses Schema im Stich. Ich komme nicht umhin, mir den Aufbau jedesmal neu zu überlegen. Beginne ich mit einem kuriosen Detail, oder fasse ich zum Einstieg die Grundaussage des Textes zusammen? Lasse ich viele Menschen zu Wort kommen, oder bereite ich eher mein eigenes Wissen auf? Habe ich ein knackiges Zitat für den Anfang, und wie setze ich am Schluss des Artikels nochmal einen drauf?
Die Kunst des Artikelschreibens ist, konsequent einen Faden zu verfolgen; genug, aber nicht zu viel zu schreiben, einfach, aber nicht platt zu formulieren, zuzuspitzen, aber nicht zu übertreiben. Je nach Medium entsteht ein kurzer Bericht oder eine lange Geschichte, ein Infoartikel oder ein unterhaltsames Lesestück. Und immer muss der Autor die Erwartungen der Leserinnen und Leser an das Medium mit dem Thema zu verbinden wissen. Erfahrung beschleunigt diesen Prozess enorm. Aber Regeln zeitigt sie auch nicht.
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