Richtiger und schöner tippen (2)
Fortsetzung des Zeichen-Essays
Mit dem Computer ist es ganz einfach, richtig schöne und richtige Texte zu schreiben. Oder doch nicht? Der Computer-Tastatur fehlen – wie der Schreibmaschine auch – schlechterdings ein paar Tasten, um alle korrekten Satzzeichen einfach einzutippen. Und so werden die wenigen zur Verfügung stehenden Zeichen entgegen Duden und typografischem Anstand kurzerhand zweckentfremdet: Zoll- und Fußzeichen fungieren als Anführungszeichen, das Minus ist der Strich für alle Zwecke, Abstände zwischen Zeichen sind immer einen Leerschritt lang. Das liest sich nicht gut, das sieht auch nicht schön aus – falsch ist es obendrein.
In der ersten Folge von Richtiger und schöner tippen haben Sie erfahren, wie Sie solche speziellen Zeichen mithilfe des Sonderzeichen-Dialogs von Word in Ihr Dokument bekommen. Hier folgt nun eine Anleitung für Tastaturkürzel-Fans, die auch in anderen Windows-Programmen funktioniert.
Scroll, scroll, scroll – unübersichtliche Dialogboxen
In Word finden Sie unter Einfügen – Symbol den Dialog zum Einfügen von Sonderzeichen wie „richtigen“ Anführungszeichen, dem korrekten – langen – Gedankenstrich, nicht umbrechenden oder besonders schmalen Leerzeichen und anderem. Doch damit ist der Bedarf an typografisch schönen, lesefreundlichen und dudengerechten oder auch nur nützlichen Sonderzeichen nicht ganz gedeckt. So fehlen die »spitzen Anführungszeichen« ebenso wie ein Aufzählungspunkt •, das Promillezeichen ‰ (wer‘s braucht…), das ë mit Punkten, das Multiplikationszeichen × oder der ‘ Apostroph.
Der Dialog, den Word für solche Zeichen anbietet, ist reichlich unübersichtlich.

Es kann dauern, bis man hier das gewünschte Zeichen gefunden hat. Der entsprechende Dialog im OpenOffice-Writer sieht ähnlich aus.
In Word können Sie immerhin eigene Tastenkürzel definieren, um den unhandlichen Dialog zu umgehen (unter Tastenkombination…). Diese Möglichkeit bietet das Dialogfeld von OpenOffice gar nicht erst. Und andere Programme, in denen man vielleicht auch einmal gerne korrekte Zeichen verwenden will, haben gar keine solche Sonderzeichen-Box.
Eingabe per Tastenkürzel
Nun schlägt die Stunde der Shortcut-Fans. Die Zeichen einer Schrift können nämlich auch ganz unabhängig vom Symbol-Dialog in Word oder OpenOffice durch Tastenkombinationen angesteuert werden. Und auch innnerhalb Ihrer Textverarbeitung können Sie diese Kürzel verwenden, wenn Ihnen die Handhabung des Menüs zu umständlich erscheint. Immerhin sind mit Word bis zu fünf Mausklicks und längeres Scrollen nötig, bis das gewünschte Sonderzeichen am Platz ist – das kann beim eifrigen Tippen ordentlich bremsen. Zwar müssen Sie für die Zeitspar-Variante einige Tastenkürzel auswendig lernen (oder einen Zettel neben den Monitor hängen). Da man jedoch meist nur eine Handvoll Spezialzeichen regelmäßig braucht, hält sich der Aufwand in Grenzen.
Wie funktionierts? Damit vom Computer Schriftzeichen angezeigt, eingegeben oder ausgegeben werden können, muss festgelegt sein, wie er jedes Zeichen ansteuert. Dies geschieht mithilfe von internen Zeichentabellen (Codepages). Kennt man die Ziffer, mit der die Position eines Zeichens in der Zeichentabelle bezeichnet wird, kann man es auch eingeben: dazu setzt man den Cursor an die gewünschte Stelle im Dokument, drückt die Alt-Taste und tippt auf den Tasten des Ziffernblocks (!) eine zwei- bis vierstellige Zahl ein. Diese Zahlenfolgen werden oft auch Alt-Code oder (nicht ganz korrekt) ANSI-Code genannt. Versuchen Sie es einmal! So ergibt Alt + 254 ein kräftiges, viereckiges Aufzählungszeichen: ■ Das Kürzel Alt + 0187 schreibt ein Guillemet » und Alt + 0171 das Gegenstück « dazu.
Alt-Code-Übersicht – die wichtigsten Zeichen
Das Eingeben der Ziffernkombis ist also ganz einfach. Nun müssen Sie sich nur noch die Kürzel für Ihre meist genutzten Sonderzeichen merken oder notieren. Hier eine Übersicht der wichtigsten Alt-Codes.

Auch zahlreiche diakritische Zeichen wie Š, ç, ï oder Ç und griechische Buchstaben können auf diese Weise eingefügt werden – sehr nützlich, wenn man nur gelegentlich damit hantiert, so dass es sich nicht lohnt, entsprechend angepasste Tastaturen und Treiber zu installieren.
Zum Weiterlesen
Eine vollständige Übersicht der Alt-Codes gibt es auf der Site ASP-Helper. In den umfangreichen Tabellen sind nicht nur die Alt-Codes, sondern auch andere Zeichencodierungen aufgeführt. Für Ihre Zwecke interessant sind die Spalten Dezimal und Darstellung.
Einen umfangreichen Eintrag zum Thema Alt-Codes bietet auch die englische Wikipedia.
Eine schmucklose, aber übersichtliche Tabelle (Sonderzeichen nach Sprachen sortiert) finden Sie auf dieser Übersetzer-Website (in englischer Sprache).
Speziell polnische Sonderzeichen und ihre Alt-Codes können Sie ebenfalls nachschlagen.
Die Webseite Typografie für Webautoren dröselt nicht nur die Satzregeln genauestens auf, sondern liefert auch eine Gebrauchsanleitung, wie sich Sonderzeichen in Webtexte einbinden lassen.
Wer immer noch nicht genug hat, findet unter dem schönen Titel Wissenswertes über die Zeichensatztabellensuppe Informationen über die technischen Hintergründe.
Ob Sie nun lieber das Dialogfeld Ihrer Textverarbeitung nutzen oder die schnellen und flexibleren Tastenkürzel: In jedem Fall können Sie nun ganz einfach schöne und angenehm lesbare Zeichen in Ihren Texten verwenden. Überdies sind Sie damit duden-fest – und können nun ganz zu Recht allen Typografie-Ignoranten die Zunge zeigen… :–Þ
(Das Þ ist ein Thorn, es kommt im Alt-Englischen und Isländischen vor – Alt + 0222.)
© Sibylle Mühlke 2007
Kommentare
1 Kommentar zu “Richtiger und schöner tippen (2)”
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