Spektrum Staude
Sonnenlicht und Schattenspiel
Licht und Schatten bilden zwei extreme Pole, die durch ein grünes Staudenband verbunden sind. Doch was heißt schon grün? Blattfarben sind nirgends unterschiedlicher, als im sonnig-trockenen Beet und im feuchten Halbschatten unter Bäumen. Hier, im geheimnisvollen Dämmerlicht, locken besonders weiße Blüten – in der Sonne treiben sie es bunt.
Sonne und trockener Boden sind ein Refugium für Staudenarten, die auf nährstoffreichen und feuchten Böden nicht konkurrenzstark sind. Das Wesen trockener Steppenbeete wird durch Licht und sandigen, steinigen Boden geprägt. Besonders abends weckt das Zirpen der Grillen Erinnerungen an Reisen in den Süden. Der ätherische Duft von Thymian
entfaltet sich intensiv und vermischt sich mit dem sommerlichen Geruch von sonnenwarmen Steinen und Geröll. Warme Pastellfarben vermengen sich sacht miteinander wie Rauch.
Broschüre anschauen? >>> Download als pdf (700kb).
Auszug aus der Broschüre:
Um im schattenlosen Sonnenlicht zu überleben, braucht die Staude einen wirksamen Schutz gegen das Verdursten und Verbrennen. Die bläulichen Schuppen der Walzen-Wolfsmilch schützen gegen Durst. Die Färbung entsteht durch mehrere Wachsschichten auf dem eigentlich grünen Blatt. Das Wachs verhindert, dass zuviel Wasser über die Blattoberfläche verdunstet. Blätter, die Wasser speichern und halten, sind z. B. die ledrigen Rosetten der Hauswurz-Arten und das fleischige Laub der Fetthenne.
Andere Staudenarten aus trocken-heißen Regionen tragen kleines oder nadelartiges Laub, z. B. Lavendel. Wenig Angriffsfläche für die Sonne bieten Blätter, die schuppig übereinander liegen oder sich senkrecht aufstellen: Das silbrig-filzige Laub des Ziest reflektiert die Sonnenstrahlen.
Die Blattfarbe der Staude gibt Hinweise auf die Standortwahl: Gelbliches Laub oder helle Laubränder bekommen in voller Sonne Sonnenbrand, im Schatten neigen sie zum Vergrünen. Auch bläulich-grünes Laub vergrünt im Schatten. Pflanzen, die im Halbschatten am besten wachsen und blühen, finden auch auf einem nährstoffreichen, ausreichend feuchten Boden in voller Sonne ein neues Zuhause. Hier gleicht die Bodenfeuchte fehlende Luftfeuchte aus.
Üppige Bauerngärten wirken auf die Seele wie Vitamine. Die Sonne und nahrhafter, feuchter Boden bringen es hervor: Obst und Gemüse, Kräuter und Blüten in allen Farben.
Charakteristisch für ein Bauerngarten-Sortiment sind robuste, unkomplizierte Arten. Die traditionelle Bäuerin, die den Garten pflegte, hatte keine Zeit, sich mit kapriziösen Pflänzchen abzugeben. Hier wächst, was sich dem regionalen Klima angepasst hat.
In der Sonne leuchten alle Farben, doch im Halbschatten wirken die Kontraste zwischen Blüten und Blättern.
Kleine Gartenräume mit Dämmerschatten werden zu grünen Sälen, wenn man sie mit weißen Blüten “möbliert”. Halbschatten heißt, vormittags Sonne und nachmittags Schatten. Oder, vormittags und abends Sonne und mittags Schatten. Oder auch ein lichter Schatten unter locker belaubten Bäumen.
Das Zwielicht bietet viele Möglichkeiten für Pflanzensammler: Hier können sonnenliebende Arten atmen und schattensuchende blühen. Halbschatten schützt Helles vor Verbrennungen und hält die Farben von Grün und Blüten frisch.
Geheimnisvoll ist der tiefe Schatten.
Schatten entsteht unter großlaubigen Bäumen, dunklen Hecken und Mauern sowie unter steilen Hängen. Pflanzen, die durch ihr mattes, dunkles Laub sämtliches Licht schlucken, verbreiten eine schwarz-grüne Aura. Stauden unter einem dichten Blätterdach müssen jeden Lichtstrahl einfangen, der zu ihnen durchdringt.

Großes, weiches und kräftig grünes Laub ist hierfür eine nützliche Einrichtung, z. B. bei den trichterförmigen Farnwedeln oder beim breiten Laub der Breitblatt-Segge. Wie Springnetze für Sonnenstrahlen breitet die Funkie ihre großen, herzförmigen Blätter aus. Der Aronstab leistet sich den Luxus weißer Blattnerven.
Nur wenige Stauden blühen im Schatten. Doch viele Halbschattenblüher grünen hier klaglos. Das heimische Buschwindröschen ist schneller als die Dunkelheit: Es sonnt sich, bevor sich das Laubdach über ihm schließt.
(Auszug aus der PR-Broschüre “Stauden”. Text: Annette Klostermann. Konzeption, Text, Gestaltung, (c) Annette Klostermann, Sibylle Zimmermann. Herausgeber der Broschüre: CMA Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH zusammen mit dem Bund deutscher Staudengärtner (BdS) im Zentralverband Gartenbau e.V.)