Italiener in Kreuzberg
Multikulti monokulturell
Früher waren die
allermeisten Italiener in Kreuzberg Türken oder Araber. Das hieß, man konnte
sich darauf verlassen, dass die “diversen Nudelgerichte”, die
standardmäßig zum Pauschalpreis sonderangeboten wurden (“alle
Nudelgerichte halbe Preis, außer Nr. 56″), aus einigen verlässlichen
Grundbestandteilen zusammengekocht wurden: Sahne, passierte Tomaten, Gouda,
Olivenöl, ein wenig geschnippeltes Aldi-Gemüse – et voilá, fertig ist das
diverse Nudelgericht.
Salate bestanden aus grob und vermutlich ohne Hinzusehen
mit einem scharfen Gegenstand (Dönermesser?) zerhackten Gurken und Tomaten,
einer Unterfütterung aus Eisbergsalat, einigen stimmungsaufhellenden Dosenmaiskörnern und viel Dressing, das die
gesamte Kreation gen Tellerboden drückte. Eigentlich erstaunlich, wirkt doch
das Angebot der arabischen und türkischen Imbisse und Restaurants oft so viel
subtiler und liebevoller zubereitet.
Microwave It!
Wahrscheinlich waren die arabischen
Italiener die Verlierer eines Verdrängungswettkampfes unter den Döner- und
Falafelläden. Um gastronomisch weiter wirken zu können, strömten sie in eine
neue Marktnische, für die sie leider weder Leidenschaft noch Respekt empfanden.
Anders übrigens die Asiaten, die beharrlich auf Diversifizierung setzen und an ihren
Imbissbuden neben Reiskreationen auch Döner, Pizza und als Highlight sogar
Dönerpizza anbieten, getreu dem Motto: Gelobt sei alles, was Mikrowelle und
Friteuse hergeben.
Die Rückkehr der Italiener
Doch die
Situation hat sich seit den frühen Neunzigern stetig gewandelt. Es gibt jetzt
auch die anderen, und sie werden immer mehr: Die italienischen Italiener. Sie
kochen nicht besser, weil sie Italiener sind, aber sie wären vielleicht nicht
auf die Idee gekommen, überhaupt kochen zu wollen, wenn sie keine Leidenschaft
dafür verspüren würden.
Das mag ein verklärendes Bild sein, aber es ist eine
einleuchtende Erklärung: Für grandioses Tintenfisch-Carpaccio, ehrliche und
doch einfallsreiche Pizza, Pasta mit den unterschiedlichsten frischen Fischen
und Muscheln, Tiramisu aus Mascarpone und nicht Schlagsahne, Fisch und noch
mehr Fisch, Gemüse, das nicht zur Beilage degradiert wird. Die Frische!
Italiener kochen
gut, weil sie gerne gut essen. Franzosen kochen gut, weil sie gutes Essen
immens wichtig nehmen. Deshalb hat französische Küche oft etwas von Hirnwichserei.
Italienische Küche ist direkt, ohne plump zu sein, subtil und gleichzeitig
einfach.
Demnächst an
dieser Stelle: Die Adressen!!!!
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