Werbung Krieg Aufmerksamkeit
Ist Werbung Krieg? Oder nur nervig?
Werbung ist Krieg, schreibt Frederic Beigbeder in „Neununddreissigneunzig“.
Werbung will Aufmerksamkeit, aber es gibt zu viel Werbung und zuwenig Aufmerksamkeit.
Wenn Werbung Krieg ist, heißt das: Das Schlachtfeld ist das Hirn des Verbrauchers. Oder seine Aufmerksamkeitsspanne. Hier muss Land gewonnen werden. Mag der Verbraucher das? Hinterlässt Krieg nicht meistens Verwüstung?
Auch Menschen wollen Aufmerksamkeit. Am nachdrücklichsten und eindringlichsten leben Kinder diesen Wunsch aus. Und was machen Kinder, um beachtet zu werden?
Sie sind witzig.
Sie schockieren.
Sie sind zärtlich.
Sie nerven. Das am allermeisten. Wenn ein Kind findet, dass es nicht genug Aufmerksamkeit kriegt, fängt es an zu nerven. Und zwar immer in perfekter Abstimmung auf die Zielgruppe. Schließlich gibt es viele Arten zu nerven.
Auch Werbung nervt, und zwar ganz gewaltig. Der Unterschied ist, dass die Menschen ihre Kinder lieben und glücklich sehen wollen, auch wenn sie zwischendurch so sehr nerven, dass man am liebsten wegzappen würde. Also schenkt man dem nervenden Kind Aufmerksamkeit oder zur Ablenkung ein Eis. Niemand aber wird – damit endlich Ruhe ist – ein nervend beworbenes Produkt kaufen. Oder auch nur die Werbung aufmerksam aufnehmen. Denn es ist danach ja auch nicht endlich Ruhe.
Was also kann die Werbung tun? Vielleicht dies: Sich erwachsener geben? Nicht reif und etabliert, aber auf einer Augenhöhe mit dem Verbraucher, dessen Aufmerksamkeit sie ja nach wie vor will. Und was tun Erwachsene, um Aufmerksamkeit zu erregen?
Sie sind witzig.
Sie sind charmant.
Sie erzählen etwas Interessantes.
Sie schockieren.
Sie sind, bei aller Unterhaltsamkeit, ernst zu nehmen. Sonst hört man ihnen auf die Dauer nicht gerne zu.
Wenn die Werbung vom nervtötenden Kind (anderer Leute, die keine Ahnung von Erziehung haben) zum interessanten Erwachsenen werden will, muss sie den Verbraucher nicht nur umwerben, interessieren, bannen, schockieren, überraschen, sondern auch etwas bieten, das bleibt. Ein Werbeversprechen machen, das auch gehalten wird. Darüber sollten sich Unternehmen klar sein.
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